Gemeinschaftsgarten Ratingen-Ost: „Nur die Harten kommen in den Garten“

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Der Gemeinschaftsgarten in Ratingen Ost ist ein städtisches Projekt, in dem jede*r mitgärtnern kann – in einem eigenen Beet und den Gemeinschaftsbeeten. Zusätzlich zur Anbaufläche gibt es neue Bekanntschaften und Gartentipps – wir stellen euch das Projekt vor und freuen uns besonders, hier demnächst regelmäßig Updates aus dem Garten veröffentlichen zu können!


Ratingen.nachhaltig besucht das erste Urban Gardening-Projekt der Stadt Ratingen.
Der von der Stadt initiierte Gemeinschaftsgarten in Ratingen Ost

Versteckt hinter den großen Firmengebäuden am Ostbahnhof und am Ende des Wohngebietes in Ratingen-Ost liegt ein ganz besonderer Garten: Der Gemeinschaftsgarten Ratingen-Ost. Wer ihn nicht kennt, fährt auch nicht hin – und verpasst dabei einiges. An der Ecke Oststraße/Frommeskothen, neben der Grünschnitt-Deponie der städtischen Abfallbetriebe, beackern seit 2017 begeisterte Hobbygärtner*innen den Boden und pflanzen Gemüse, Obst und bienenfreundliche Blühpflanzen an.

Wie alles begann..

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Jungpflanzen sprießen in einem der gemeinschaftlich genutzten Hochbeete im Urban Gardening Projekt „Gemeinschaftsgarten Ratingen Ost“

Was 2017 mit einer Gruppe von 17 Interessierten begann, ist mittlerweile auf einen harten Kern aus 5-10 Aktiven zusammengeschrumpft, die sich regelmäßig gemeinsam im Garten treffen. Aber auch unabhängig von diesen Treffen hat jede*r Gärtner*in die Möglichkeit, mit einem eigenen Schlüssel den Garten zu nutzen. Bei den gemeinsamen Treffen werden neue Pläne gesponnen, die Gemeinschaftsbeete mit Kräutern, Tomaten und Bohnen bepflanzt, gejätet und geerntet- oder auch mal nur die Sonne genossen.

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Japanischer Staudenknöterich, der das Grundstück mit mit zu zwei Meter tiefen Wurzeln und 10 bis 30 cm Wuchs pro Tag fest im Griff hatte.

Ausgehend von einem Impuls der Stadtverwaltung wurde seit 2014 ein Grundstück für einen Gemeinschaftsgarten gesucht, was sich als schwieriger als geplant herausstellte. Fündig wurde die Stadt schließlich auf ihrem eigenen Grund und Boden in der anderweitig nicht nutzbaren Gemarkung „Zum heulenden Wolf“ an oben beschriebener Stelle. Um die Fläche nutzbar zu machen, musste jedoch zuerst die vorhandene Bepflanzung entfernt werden: Da sich der Japanische Staudenknöterich mit seinen bis zu zwei Meter tiefen Wurzeln ausgebreitet hatte, musste der Boden großzügig ausgebaggert und mit frischem Mutterboden aus der städtischen Kompostieranlage aufgefüllt werden. Dabei wurde auch noch ausreichend Platz für Erweiterung gelassen: Der Garten kann, bei entsprechender Nachfrage und Nutzung, noch deutlich vergrößert werden.

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Das gemeinschaftliche Kräuter- und Heilpflanzenbeet im Gemeinschaftsgarten

Nach zwei Planungssitzungen erfolgte die Schlüsselübergabe an die Hobbygärtner*innen am 1. Juli 2017 – und seitdem ist einiges geschehen. Ein Wasseranschluss wurde gelegt, ein Bauwagen und ein Gartenhaus bieten Stauraum für Werkzeug und Gartenmöbel, die Erdbeete wurden angelegt, Hochbeete errichtet, eine Kräuterwiese gepflanzt und viele kleine Projekte begonnen. Betritt man den Garten heute, glaubt man kaum, dass er diesen Sommer erst zweijähriges Jubiläum feiert.

Mitmachen – aber wie?

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Richtiges Gießen zur Vermeidung von Mehltau & Co. – auch das bringen die Gärtner*innen sich gegenseitig bei

Der Gemeinschaftsgarten ist für alle interessierten Menschen geöffnet, die Interesse am Gärtnern haben und sich regelmäßig um ihre Beete kümmern möchten. Für einen Jahresbeitrag von 25 Euro, von dem gemeinschaftliche Anschaffungen wie Saatgut und Baumaterialien für Rankhilfen und ähnliches bezahlt werden, kann mitgegärtnert werden. Dafür stehen jedem Mitglied (der Garten ist jedoch kein Verein) ein eigenes fünf Quadratmeter großes Erdbeet und ein Hochbeet zur Verfügung, die nach Lust und Laune mit Nutzpflanzen bepflanzt werden können. Auch die Nutzung der Gemeinschaftsbeete mit Tomatenpflanzen, Bohnen und Obststräuchern ist für alle gemeinsam vorgesehen.

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Auch die Errichtung von Hochbeeten geschieht im Gemeinschaftsgarten gemeinsam und mit Hilfe der erfahreneren Gärtner*innen

Das Projekt richtet sich an Menschen aus Ratingen, die keinen eigenen Garten haben, sich jedoch gerne mit dem Anbau von Gemüse, Kräutern und anderen Nutzpflanzen beschäftigen und diese auch selbst anbauen und ernten möchten. Sabine Kitschke, eine der Organisatorinnen und eigenen Zeichens nach Tomatenspezialistin im Garten, sagt dazu: „Die meisten Leute wissen heutzutage nicht mehr, wie aufwändig es eigentlich ist, Lebensmittel herzustellen und wie lange Pflanzen wachsen“, weshalb der Garten als Urban Gardening Projekt eine Möglichkeit sei, Landwirtschaft und das Wissen und Bewusstsein über Lebensmittelanbau zurück in die Stadt zu bringen. Sie ist seit der ersten Idee zum Gemeinschaftsgarten dabei und gibt ihr Gartenwissen gerne an die Neuen weiter. Auch die KiTa Ratingen-Ost kommt regelmäßig im Garten vorbei und pflegt ein eigenes Beet, wie Wolfgang Gottfried, Hauptansprechpartner für Interessierte, erzählt. Neben der Gesellschaft sei für ihn am gemeinschaftlichen Gärtnern besonders schön, dass sich gegenseitig geholfen und in der Urlaubszeit auch das Gießen von allen gemeinsam übernommen wird. Er hat auch die Hummel- und Bienenhäuser angefertigt, die zu dieser Jahreszeit schon zur Hälfte belegt sind: Runde Baumscheiben, in die Löcher gebohrt sind, dienen Wildbienen und Hummeln als Bau und sind überall im Garten zu finden. Im Schatten der Esskastanie blühen Tulpen und Wildblumen, während ein paar Meter weiter am Hang schon die Kürbispflanzen austreiben. Nachdem im letzten Jahr die Raupe einer seltenen Schmetterlingsart, die ausschließlich in Brennesseln Eier legt, im Garten gefunden wurde, darf auch das Brennesselfeld in diesem Jahr ungehindert wachsen.

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Die Urban-Gardening-Gruppe des Gemeinschaftsgartens Ratingen Ost und die Initiatoren von Ratingen.nachhaltig im Garten

Wir beenden den Gartenrundgang bei den Hochbeeten, die schon mit Salat, Mangold und Radieschen bepflanzt sind und eine reiche Ernte versprechen. In der Nähe liegt das Beet zur Saatgutzucht, in welchem alte Sorten wie die Lintorfer Buschbohne gezüchtet werden, ein Beet weiter stehen schon die Rankhilfen bereit. Zwar haben die Gärtner*innen beschlossen, auf reine Zierpflanzen zu verzichten, eine Ausnahme gibt es jedoch für bienenfreundliche Blumen und Gewächse, befindet man sich doch in bester Nachbarschaft zum Imkerverein Ratingen. Die Blühstreifen am Rande des Gartens und in einzelnen Beeten erhöhen somit nicht nur die Bestäubungswahrscheinlichkeit der Obst- und Gemüsepflanzen, sondern bieten auch Lebensraum für Bienen, Hummeln & Co.

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Nisthilfen für Bienen und Hummeln schmücken die Hochbeete des Gemeinschaftsgartens Ost

Wer jetzt auch Lust hat, ein eigenes Beet im Gemeinschaftsgarten anzulegen, kann sich gerne per eMail bei garten-ratingen-ost(at)web.de melden und ein Treffen zum Kennenlernen des Gartens und seiner Gärtner*innen vereinbaren. Nach einer Aufnahme in die Mitgliederliste bei der Stadtverwaltung steht dem Gärtnern dann nichts mehr im Weg- und die Erntesaison wird dieses Jahr vermutlich wieder lang.

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Ein Hochbeet im Gemeinschaftsgarten, bepflanzt mit bunten Salaten

Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Wir freuen uns ganz besonders, dass die Gärtner*innen aus Ratingen-Ost uns in Zukunft hier auf der Homepage regelmäßig mit Updates aus dem Garten und Tipps zum Urban Gardening versorgen werden!