Warum eine Lebensmittelampel auch bei der Umsetzung der SDGs nützlich ist

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Gesunde Ernährung ist auch bei uns in Deutschland keine Selbstverständlichkeit. Im Gegensatz zu anderen Weltregionen haben wir es anstatt mit Unterernährung vielmehr mit der Problematik des Übergewichtes (nach dem Robert Koch Institut (RKI)) zu tun. Rund 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen sind übergewichtig, 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen stark übergewichtig bzw. adipös. Das Problem von (starkem) Übergewicht sind die daraus entstehenden Folgekrankheiten, wie etwa Herzinfarkt, Diabetes, Gicht, Demenz, Krebs und Schlaganfall. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziffert die volkswirtschaftlichen Kosten auf 6 Prozent der Wirtschaftsleistung + indirekte Kosten in doppelter Höhe. Übergewicht macht dabei auch nicht vor Kindern halt. Nach neueren Zahlen der WHO sind weltweit mehr als 120 Millionen Kinder stark übergewichtig, also adipös. Weitere 213 Millionen Kinder übergewichtig. In Deutschland stieg diese Zahl seit 1975 von drei Prozent auf elf Prozent bei Jungen und sieben Prozent bei Mädchen.

Doch warum haben wir solche Probleme? Viele VerbraucherInnen greifen zu stark verarbeiteten Lebensmitteln und Getränken, die viel Zucker, Fett und Salz enthalten. Gerade Zucker wird oft als billige Füllmaße genutzt. Zucker lässt den Insulinspiegel stark steigen, was auf Dauer zu Übergewicht führen kann. Gerade zuckerhaltige Getränke liefern große Mengen an Kalorien, die wir durch das fehlende Füllgefühl kaum wahrnehmen. Zwar sind auf den Verpackungen Nährwerttabellen abgedruckt, doch scheinen diese nicht das richtige Mittel der Wahl für mehr Verbraucheraufklärung zu sein. Oftmals erschließen sie sich nicht auf Anhieb, etwa durch das umrechnen der aufgedruckten Angaben.

Die Nichtregierungsorganisation Food Watch kämpft daher seit Jahren für eine Lebensmittelampel, mit der sich VerbaucherInnen schnell einen Überblick über die „Nährwertqualität“ eines Lebensmittels machen können. Genannt wird das System „NUTRI-Score“ und wird seit 2017 unter anderem in Frankreich schon umgesetzt. Dabei werden günstige und ungünstige Nährwerte gegeneinander abgewogen. Günstige Nährwerte (Protein, Ballaststoffe, Obst, Gemüse, Nüsse) bekommen Minuspunkte, ungünstige Nährwerte (Energie, Gesamtzucker, gesättigte Fettsäuren, Natrium) Pluspunkte. Die Rechnung kann zwischen -15 und +40 liegen. Je niedriger der Score, desto hochwertiger und gesünder das Lebensmittel. Zudem wird der Score in die Buchstaben A (gut) bis E (schlecht) unterteilt und farblich von grün (gut) bis rot (schlecht) gekennzeichnet. Unter folgendem Link wird der NUTRI-Score noch genauer beschrieben. Diese Informationsbroschüre stammt übrigens nicht von Foodwatch, sondern vom weltweit tätigen französischen Lebensmittelhersteller Danone.

Bewertungstabelle des NUTRI-Scores für den Nährungsstoffgehalt von Lebensmitteln
Ratingen.nachhaltig unterstützt die Einführung des NUTRI-Scores, da dieses Instrument Verbraucherentscheidung für den Kauf von gesünderen Lebensmitteln begünstigt. PolitikerInnen sollten sich für diese Einführung stark machen, da damit auch die Umsetzung des SDGs unterstützt wird.

Die Krankenkasse AOK startete 2017 die Aktion süß war gestern. Wegen der starken Zunahme des Übergewichts in Deutschland – die AOK spricht von 18 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen, die übergewichtig oder gar adipös sind – fordert die Krankenkasse mehr Transparenz über verstecken Zucker in Lebensmitteln, um eine angemessene Ernährungsentscheidung treffen zu können.

Aus unserer Sicht handelt es sich bei dem NUTRI-Score um ein einfaches Erkennungssystem für die Nährstoffzusammensetzung bei Lebensmitteln, welches LebensmittelkonsumentInnen hilft, eine gesündere Lebensweise zu erreichen. Auch bei der Umsetzung der Agenda 2030 Ziele (SDGs) der Vereinten Nationen spielt Übergewicht eine entscheidende Rolle. Was die SDGs sind, wird in diesem Artikel erklärt. Im SDG 2 wird das Ziel einer besseren Ernährung formuliert. Um den Erfolg der SDGs zu messen, kann zum Beispiel mit Nachhaltigkeitsindikatoren gearbeitet werden. Die Bertelmannsstiftung schlägt für die Messung auf kommunaler Ebene 50 Indikatoren vor – einer dieser Indikatoren zur Messung des SDG 2 ist das Übergewicht bei Kindern. Zwar obliegt die Entscheidung der Einführung einer solchen Lebensmittelampel der Bundesregierung und nicht der Kommunalverwaltung, doch kann diese Kraft ihres politischen Einflusses für die Einführung werben. Denn Messung ist das eine, das andere ist die Einführung geeigneter Instrumente, damit sich eine Situation verbessern lässt. Derzeit sträubt sich die Bundesregierung (federführendes Ministerium ist hier das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) dagegen, eine solche Lebensmittelampel einzuführen. Da VerbaucherInnen mit dem einfachen Instrument des NUTRI-Scores bessere Verbaucherentscheidungen fällen könnten, begrüßt Ratingen.nachhaltig dieses Instrument.

Quellen:
foodwatch (2019): Nährwert-Ampel Nutri-Score
Danone: Der NUTRI-Score
Robert Koch Institut: Übergewicht und Adipositas
Krautreporter (2017): Zucker könnte noch schlimmer sein, als du denkst
Zeit Online (2017): Zahl der fettleibigen Kinder hat sich verzehnfacht
AOK (2017): Kampagne süß war gestern